Usedom im Winter

Die Überraschung war perfekt, amber hat mir zu Weihnachten einen Kurzurlaub auf Usedom geschenkt.

Zuerst war ich ein klein wenig skeptisch, denn eigentlich ist so eine Insel ja zum Baden da, wozu im Winter eher weniger die Möglichkeit besteht, doch nachdem ich nun wieder Zuhause bin muss ich wirklich sagen, Usedom im Winter ist ein Traum. Die Anreise passierte über die A11 wobei wir dann bei Prenzlau auf die Bundesstraße und direkt gen Norden gefahren sind. Unser Navi wollte uns zwar zu einer kleinen Ecke über Neubrandenburg drängen, wir haben jedoch die B109 nach Anklam genommen und von dort aus dann direkt nach Bansin.

Das Seebad Bansin ist eines der drei Kaiserbäder auf Usedom, so wie ich das mitbekommen habe gibt es wohl noch ein Bernsteinbad. Zu den Kaiserbädern gehören Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Geht man weiter am Strand entlang, kommt man direkt nach Polen und in die Stadt Świnoujście. Seit dem 1. Januar 2005 gehören die drei deutschen Gemeinden zusammen und werden seitdem auch als Gemeinde Kaiserbäder geführt. Nennenswert ist auch die längste Strandpromenade Europas, zusammen mit Świnoujście kommen die drei Bäder auf über 12 km Sandstrand.

Die perfekte Überleitung würde ich sagen, denn unser Ferienhaus mit unserer Ferienwohnung war nahezu direkt am Strand, wir konnten von unserem Fenster aus aufs Meer schauen, vor uns lag nur eine Reihe Häuser. Wobei natürlich der Sandstrand im Winter keine so große Rolle spielt wie im Sommer, es ist aber schon toll wenn man beim Frühstücken den Wellen zusehen kann wie Sie an die gefrorene Gischt branden. Unser Apartment war geräumig, eine kleine Küche direkt am Essplatz, vom Wohnzimmer aus Sichtbar. Dazu ein Kinderzimmer und ein Schlafzimmer. In letzterem stand ein Wasserbett, welches auch der eigentlich Grund für unsere Reise war. Mein Rücken macht mir in letzter Zeit immer wieder Probleme und amber wollte mit mir herausfinden ob es in einem dieser Hochseebetten damit besser wird. (Soviel vorweg, wird es *g*) Ganz besonders toll war der kleine Schwedenofen in einer Ecke des Wohnzimmers, schon mal eine kleine Einstimmung auf das was uns im eigenen Haus erwartet. Das Bad war dagegen ein klein wenig klein, die Wanne war glaube ich 160 cm lang, nichts für den Dübel :)

Sofort nach der Ankunft und den Formalitäten mit der Hausmeisterin haben wir einen kleinen Ausflug an den Strand gewagt, ich kann euch sagen, bei gefühlt -15°, ordentlich Wind und Schnee überall ist das ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Wir haben uns, da wir nicht ordentlich eingepackt waren, für einen kleinen Trip zur Seebrücke Bansin entschieden, dann noch ein klein wenig durch Bansin gestromert und sind dann bei DOMKES FISCHRESTAURANT zum Abendessen eingekehrt. Wirklich witzig der Laden, man bestellt an der Theke, seine Getränke bekommt man direkt in die Hand gedrückt, bezahlt alles und nimmt einen kleinen roten Plastikhummer mit an den Tisch. Sobald das Essen zubereitet ist, vibriert und blinkt der Hummer und man kann sich seine Mahlzeit an der Theke abholen. Das Ambiente mag ein wenig übertrieben sein (wegen der schrecklichen Klischee Musik) aber das Essen und die Bedienung ist einfach perfekt gewesen. Der Fisch war absolut frisch, die Pommes waren perfekt und das Bier war…naja…Bier aus dem Norden halt…es war Bier :) Nach dem Essen sind wir satt, erschöpft und frierend nach Hause gelaufen, auf dem Heimweg haben wir uns schon einmal auf das vorgewärmte Wasserbett und die erste Nacht darin vorbereitet.

Der nächste Tag hat mit einem Frühstück am Fenster mit Meerblick angefangen. Da wir gestern gelernt haben das es sehr kalt sein kann, haben wir uns für diesen Urlaubstag wesentlich besser vorbereitet. Lange Thermounterwäsche, Halstücher, dicke Pullover, Mützen, diesen Tag werden wir der Kälte ein paar schöne Erinnerungen abtrotzen. Wir sind runter zum Strand und einfach mal pauschal Richtung Heringsdorf gelaufen, die riesige Seebrücke konnte man von Bansin aus schon sehen. Einen Teil der Strecke sind wir direkt am Wasser gelaufen, einen dann auf der Promenaden Straße hinter dem Meer. Hier konnte man wunderschön gebaute alte Häuser sehen, die sich zwischen dem einen oder anderen „Modernen Plattenbau“ gehalten haben. Für mich ein ganz schön krasser Unterschied der mich sofort an unsere Baugesetze in Bayern denken lässt. Offensichtlich wird das auf Usedom etwas entspannter gehandhabt. In Heringsdorf haben wir dann auch die Postkarten für Freunde und Familie gekauft, bevor wir uns dann wieder auf den Heimweg Richtung Bansin gemacht haben. Nachdem wir wirklich den ganzen Tag unterwegs waren und erst spät am Abend wieder in Bansin angekommen sind und sehr hungrig waren, haben wir uns beim nobel wirkenden Nachbarn unserer Ferienwohnung ein Abendessen bestellt (alles andere hatte wohl schon zu). Und ich muss sagen, das Essen war sehr mittelmäßig. Natürlich kann ich die nachfolgenden Behauptungen nicht beweisen, jedoch ist es mir so vor gekommen als wäre der Fisch gerade aufgetaut geworden, das Gemüse dazu war eindeutig aus dem Froster und die Kartoffeln waren einem Drei Sterne Restaurant nicht würdig. Die mehr als gesalzenen Preise haben sich die drei Sterne auf jeden Fall verdient. Mit gemischten Gefühlen haben wir den Abend bei Kaminfeuer und Fernsehen (jaaaaa, im Urlaub gab es eine dieser wundersamen Flimmerkisten) sowie einer Flasche Wein ausklingen lassen. Beim Schlafengehen war das schlechte Essen längst vergessen.

Der dritte Tag auf Usedom steht voll und ganz im Zeichen der Therme in Ahlbeck. Gleich nach dem Frühstück geht es los, 45 Minuten später sind wir im warmen Wasser. Und ja, man kann sich tatsächlich einen ganzen Tag in einer Therme aufhalten. Zuerst haben wir nur im Wasser geplanscht, dann haben wir die Sauna Landschaft entdeckt und gleich mal einen, für unsere Verhältnisse, langen Marathon hingelegt. Dabei haben wir uns langsam gesteigert von 80° zur 100° Trockensauna. Danach immer 15 Minuten auf die Ruheliege und wieder von vorne. Wirklich sehr Tiefen entspannend so ein Marathon. Nach der Therme in Ahlbeck hatten wir eigentlich vor noch einmal zu DOMKES zu gehen, doch leider machen die um 20 Uhr zu. So haben wir es einfach mal mit dem Navi versucht, über die POI Suche sind wir dann auf das Restaurant FISCHKOPP gekommen und ja, perfekt würde ich sagen. Hier gab es Cider, leckere einheimische Fischsorten und sehr freundliche und schnelle Bedienungen. Die Gesellschaft war auch sehr toll und die Damen vom Tresen haben sogar einen eingebauten Drucker für die Rechnungen. Mit diesem Abendessen kann der Tag als rundum gelungen bezeichnet werden, der Kopf war voll mit tollen Bildern als er sich zur Ruhe im Wasserbett gebettet hat.

Der leider schon letzte Tag unserer Reise führte uns in den Norden der Insel. Unser Ziel war Peenemünde, denn dort liegt ein altes U-Boot aus der Zeit des kalten Krieges vor Anker, welches man besichtigen kann. Da ich schon in Hamburg unbedingt mal in ein solches Boot wollte und es nie geschafft habe, habe ich der amber das versprechen abgenommen dieses Boot zu besichtigen. Auf den Fotos kann man gut das leuchten in meinen Augen erkennen beim erkunden des Unterseebootes, auch kann man sehen das es sehr eng in so einem Ding zugeht. Wahnsinn wenn man sich überlegt wie die Matrosen auf so einem Boot über 100 Tage ausgehalten haben. Danach haben wir noch herausgefunden das in Peenemünde, dort wo wir waren, die V2 Rakete der Nazis erforscht und getestet wurde. Auf der Westseite von Peenemünde befindet sich nämlich das „Historisch-Technisches Museum Peenemünde“ welches auf dem ehemaligen Testgelände der Faschisten eingerichtet wurde. Sehr gut wie ich persönlich finde, denn zum einen kann man sich so an die Dummheiten des Terrorregimes erinnern, zum anderen kann man so auch noch etwas lernen. In unserem Fall haben wir gelernt das die Nationalsozialisten damals ein riesiges Kohlekraftwerk errichtet haben (30 Megawatt) um so den immensen Stromverbrauch der Anlage zu vertuschen. Sogar ein Konzentrationslager wurde extra errichtet um die Anlage zu bauen und zu unterhalten. Desweiteren beschäftigt sich das Museum mit der Raketentechnik an sich sowie die Auswirkungen der Nazi Forschungen auf das gesamte Raumfahrtprogramm der Menschheit. Man darf nicht vergessen, die Schergen der Faschisten wurden nach dem Krieg entweder verschleppt (Russland) oder abgeworben (Amerika) um Ihre Arbeit fortzusetzen. Zumindest im Fall der Amerikaner hat man damals großzügig über die Verfehlungen der Wissenschaftler hin weggesehen und diese schnell und unkompliziert in Amerika eingebürgert. Nichts desto Trotz ist der ganze Mist 1945 zusammengebrochen und auch in Peenemünde gab es keine V1 und V2 mehr zu erforschen. Zum Abschluss der Reise haben wir uns im Museumsladen noch mit Erinnerungen und interessanten Büchern eingedeckt um dann die lange Reise nach Hause anzutreten. Achja, auf dem Heimweg sind wir noch im Restaurant und Hotel „Piraten-Insel-Usedom“ eingekehrt. Eine Anlage die sicher Platz für 500 Menschen bietet, diesen Tag jedoch nur zwei Leute zum Essen da hatte. Der Koch und der Kellner haben hervorragende Arbeit geleistet und uns ein wirklich leckeres Essen mit auf den Weg nach Hause gegeben.

Fazit Dübel
Toll! Alles! Ich kann es nicht anders sagen, der Kurzurlaub war vor allem eines, zu kurz. Das Wasserbett hat meinem Rücken gut getan, eventuell schaffen wir uns eines im Haus an, der Sandstrand sieht einfach bombastisch aus wenn er gefroren ist und teilweise mit Schnee bedeckt. Das Essen war, bis auf das beim Nachbarn, einwandfrei und die Wohnung war sehr schön. Kurzum, mir hat es sehr gut gefallen auf Usedom :)

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